B l ü t e n s t a u b
Irgendwo blüht die Blume des Abschieds und streut immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied.
- Rainer Maria Rilke -
Einmal Winter und zurück, bitte!

Lenz ist großartig. Lenz ist prima. Lenz fetzt würde Fred sagen. Aber Fred mag ja auch den Schnee. So wie ich. Und ohne einen ordnungsgemäß stattgefundenen Winter kann ich mich nur halbseiden über den Lenzen freuen. Also schmissen der Hochsauerlandhaarige und ich letzten Sonntag die Winterklamotten in das große, schöne, schwarze Auto und brachen, begleitet von des Amselrichs Gelächter, auf, um den Winter zu suchen.

Wir fanden nicht nur Schneeberge, träumende Bänke, fliegende Schneebälle, einsame Winterwege, nein, wir fanden auch noch die Schnente. Aber der Reihe nach:

Ein Wintertag, wie er Ende März nicht schöner sein könnte. Dreißig Zentimeter Schnee, blauer Himmel, Sonnenschein und paar Grad nur warm. Wintertraumzauberhaft. Und dann war da noch die einsame Schnente.

Suchbild: Wo ist die Schnente?

Mal näher rangeschlichen:

Die Schnente ist eine kleine, arme Schnee-Ente, die sich keine zwei e leisten kann, wie sie uns zart vor sich hinschmelzend erklärte. Unser Angebot, sie in unserem Eisschrank zu sommerquartieren, schlug sie sanft tröpfelnd aus. So gab es nur ein Trösteküßchen.

Als wir abends in die frühlingslaue Provinz zurückkehrten, hockte der Amselrich kleinlaut auf dem Zaun. Wir bestellten Grüße von der Schnente und freuten uns über Veilchen, Narzissen und Magnolien. Endlich. 

 

27.3.07 13:57


Winterküsse

Auf dem Weg zum Tagwerk. Morgendämmerige Kälte erzeugte Atemwölkchen. Den ersten Kuß bekam ich zartkühl auf die Nasenspitze. Der zweite streifte glitzersternig meine Wange und ließ mich kichern. Der dritte dagegen war warm und vollmundig auf meinen Lippen. Das war aber erst nachdem der mir Liebste und ich inbrünstig und kindisch glücklich das Lied vom Weißröckchen gesungen hatten.


26.1.07 13:48


Erinnerungen an Heiligabend

Die Brücke, die schmale gebogene Auffahrt, der Hof. Mal wieder zu Hause. Selten genug. Fünfhundertfünfzig Kilometer Nestflüchterei können nicht so oft rückgängig gemacht werden. Kahl und viel zu groß steht der Lieblingskletternußbaum von vor dreißigjährigen Zeiten, an den bei Familienfeiern stets die trunkenen Männer einfachhalber pinkelten. Zauberhändig ein Hoflicht. Undenkbar ganz, ganz tief in der Erinnerung, als bei den Stallgebäuden noch das Plumsklo war. Spinnenvoll und bitterkalt.

Die Katzen begrüßen uns. Immer schon gab es Katzen. Bei der Erinnerung an diesen einen Spitznamen endlich ein Lächeln. Frau Ahavzi. Wer gab ihn ihr? Mein Bruder?

Der Drittschlüssel hängt wie seit Jahren schon in seinem scheunigen Versteck. Dann die Granitstufen zur Haustür. Tausendfach von Hand gescheuert und von Schuhen abgetreten. Der Schlüssel ziert sich wie immer ein wenig.

Im Haus. So vertraut, so fremd. Still ist es. Zu still für dieses Haus. Sie fehlt.

Doch wir dürfen sie noch besuchen in sterilweißer Umgebung. Und endlich kehrt auch das Lachen zurück. Wir lachen mit dieser großartigen Schippchenspringerin, mit unserer Mama Löwenherz. 

16.1.07 14:09


Müde

Permanent müde. Die Gründe vermag ich nicht zu erläutern. Bin dafür schlichtweg zu müde.

Aber gerne erläutere ich die Gründe dieser Schlafmütze. Das ist Kate vom Stromberch. Sie ist müde, weil sie sich durchs Leben streunen muß. Seit geraumer Zeit hat sie sich Futternapf, Lieblingssessel und unsere Herzen erobert. Wann immer sie will taucht sie auf, verwöhnt uns mit Beschnurrung und Beschmusung. Und erholt sich ein, zwei Stündchen von der Streunerei. So schön kann müde sein! 

12.12.06 14:00


Sommertraum

Im dünnstoffigen Hauskleid dem Tag beim Erwachen zuschauen. Barfuß den Gräsern und Gänseblümchen einen Gutenmorgengruß schicken. Ein scheinbar vergnügtes Zwinkern des Amselrichs. Nur das rote Ahornlaub passt nicht so recht in diesen novembermittigen Sommertraum.

16.11.06 09:18


Mut und Unmut

Riesenbergig war mein Mut als Kind. Kein Kirschbaum zu hoch, keine Schneewehe zu tief und kein Wald zu düster. Den zum Hof gehörenden Bullen einfach an seiner zerborstenen Kette zu packen und ihn schimpfend wieder in den Stall zu führen, eine klitzekleine Selbstverständlichkeit. Zu probieren, ob das einnachtfrostige Eis des Baches wohl schon hielte, nur eine Sekundenentscheidung. Eingebrochen bin ich mehr als einmal, nicht nur auf dünnem Eise.

Mit den Jahren schwand mein Mut. Oder ich hatte die mir zugeteilte Portion zu sehr beansprucht. Er äußerte sich nur noch in gelegentlichen Mutanfällen, die ich mittlerweile zu den eindringlichsten Momenten meines Lebens zähle.

Rein statistisch befinde ich mich erstaunlicherweise in der Lebensmitte und manches Mal erscheint die Frage, ob der mir verbliebene Mut noch für den Rest des Lebens reicht oder ob ich zu freizügig mit ihm war. Wie werde ich im Alter sein? Hoffentlich nicht unmutig.. 

19.10.06 13:43


Einfach grüner wohnen

Grün ist gut. Grün ist schön. Und Grün tut gut. Grün ist einfach. Kann einfach sein. Grün will nicht ertränkt werden. Grün will Licht. Manches Grün mehr und manches Grün weniger. Es grünt so grün..

Zamioculcas zamiifolia/ Zamiapalme

Dracaena surculosa/ Blattdracaene

Rhipsalis pulchra/ Rhipsalis

Ardisia crenata/ Korallenbeere

Das sind ein paar Grünlinge, die einiges wegstecken können. Auch mit nur lindgrünem Daumen. Näheres bei Ihrem Gründealer umme Ecke. 

17.10.06 13:59


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